Wenn die Angst kommt: Meine Erfahrung

Wenn du ganz ehrlich zu dir selbst bist, was hält dich davon ab, einfach loszuprobieren? Was stoppt dich, mutige Entscheidungen zu treffen? Wieso bist du nicht schon lange dabei, dir deinen Traum zu verwirklichen? Ich kann dir sagen, was das bei mir ist: Ich habe Angst. Angst davor, einen Fehler zu machen. Oder Angst, zu scheitern. Angst, dass ich damit jemanden vor den Kopf stoße. Und nicht zuletzt auch Angst davor, mir mein Leben kaputtzumachen. Kennst du das?

Was ist, wenn mich alle für verrückt erklären?

Diese Angst hatte ich ganz stark, bevor ich nach Indien gegangen bin. Ein unbefristetes Arbeitsverhältnis einfach kündigen, die eigene Wohnung aufgeben, das eigene Auto vermieten, das ganze Leben auf null zurücksetzen, das kann doch niemand verstehen, oder? 

Scheinbar doch. Ich bin nach wie vor überrascht, wie viel Unterstützung ich von allen Seiten für dieses Vorhaben bekommen habe. Da waren zum Beispiel meine Kollegen, die mir ein Riesen-Abschiedspaket geschenkt haben mit allen möglichen Dingen, die ich auf der Reise brauchen könnte und die mir während der ganzen Zeit immer wieder E-Mails geschickt haben, um zu fragen, wie es mir geht. Oder meine Freunde, die mitgefiebert und -gebetet haben, als der Visum-Antrag immer länger gebraucht hat, um bearbeitet zu werden. Selbst die Kundenberaterin im Arbeitsamt(!) war begeistert, dass ich mich traue, diesen Schritt zu gehen.

Was ich damit sagen möchte? Naja, vielleicht unterschätzen wir unsere Mitmenschen. Nur weil unser Weg nicht der klassische Weg ist, heißt das nicht, dass wir dabei jegliche Unterstützung verlieren. Ich glaube viele Menschen haben irgendetwas, dass sie gerne ausprobieren möchten. Und irgendwie macht es Mut, wenn jemand anderes sich traut seinen Weg zu gehen. Vielleicht ist es da auch gar nicht mal so schlecht, wenn der andere Weg ein bisschen verrückter ist als der eigene. Jedenfalls habe ich einige Freunde und Bekannte etwas sagen hören nach dem Motto: „Ich habe gedacht, wenn du es schaffst, nach Indien zu gehen, kann ich mich ja wenigstens mal trauen, mich woanders zu bewerben / mir ein e-Bike zu kaufen / meine Meinung zu sagen, …“

Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum es diesen Blog gibt. In den Losprobier-Geschichten möchte ich euch Menschen vorstellen, die ihren Weg gegangen sind. Vielleicht hilft das euch ja dabei, euren Weg zu gehen. Oder zumindest den nächsten Schritt. Vermutlich werdet ihr mehr Unterstützung bekommen, als ihr denkt.

Die riesigen Cliffs of Moher und darin ein winzig scheinendes Boot
Manchmal lassen wir uns von usnerer Angst überwältigen – dabei muss das gar nicht sein

Was ist, wenn ich scheitere?

Das scheint auch so eine Ur-Angst zu sein, die irgendwo ganz tief in mir drin sitzt. Ich weiß nicht wieso, aber allein der Gedanke daran, dass ich scheitern könnte, lässt mich fast stillstehen. Dabei habe ich überhaupt keine Ahnung, was genau „Scheitern“ für mich eigentlich heißt. Was, wenn die Entscheidung, die ich treffe, ein Fehler ist?

Ja, was ist dann eigentlich? Warum macht mir das so viel Angst? Vielleicht habe ich dann Geld oder Zeit in etwas gesteckt, was die Sache nicht wert war, aber ist das wirklich so schlimm? Habe ich dann nicht vielleicht immer noch im Prozess so viel gelernt, dass sich der Einsatz am Ende vielleicht doch gelohnt hat? Wovor habe ich wirklich Angst?

Ich glaube, bei mir persönlich geht es da auch sehr viel um mein Ansehen. Alle kennen mich als die, die alles immer bis zu Ende durchzieht. Was ist denn, wenn ich etwas mache, was ich abbrechen muss? Ich habe einen tadellosen, lückenfreien Lebenslauf. Da können doch jetzt nicht auf einmal ein paar Monate fehlen. Ich habe meine Schul- und meine Studienlaufbahn jeweils als eine der Jahrgangsbesten abgeschlossen. Da kann ich doch jetzt nicht diejenige sein, die ihr Leben in den Sand setzt. Oder etwa doch?

Ich glaube hier geht es auch ganz viel, um unsere persönliche Einstellung und wie wir Scheitern definieren. Wenn ich glaube, dass ein erfülltes Leben nur mit Mann, zwei Kindern, drei Katzen und einem Gehalt von 100.00€ im Jahr gelingen kann, dann werde ich vermutlich mein Business für gescheitert erklären, wenn ich damit gerade genug verdiene, um über die Runden zu kommen. Wenn ein erfülltes Leben für mich aber bedeutet, eine Arbeit zu haben, die mir Spaß macht, mit Kunden, die ich mag, und ich arbeiten kann wann und wo ich möchte, dann sieht die Sache gleich ganz anders aus. Und dann ist es doch auch gar nicht mehr so wichtig, was meine ehemaligen Klassenkameraden von mir denken.

Übrigens gibt es da draußen tausende Geschichten von Menschen, die erst durch ihr Scheitern erfolgreich geworden sind. Denn auch das ist wieder eine Perspektivfrage. Ist das Scheitern wirklich das Ende oder ist es nur ein Tal auf deinem Weg nach oben?

Und wenn dich das immer noch nicht überzeugt, dann habe ich hier noch ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer (Theologe und Widerstandskämpfer im Dritten Reich) für dich: „Der größte Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.“ Denn auch wenn du dich entscheidest, die sicherere Variante zu wählen, garantiert dir niemand, dass das nicht auch ein Fehler ist.

War dann nicht alles, was ich bisher gemacht habe, umsonst?

Kennst du das? Bei mir ist dieser Zweifel in den letzten Jahren immer lauter und lauter. Nach dem Abi war es relativ leicht zu entscheiden, alles hinter mit zu lassen und nach Irland zu gehen. Da hatte ich ja nicht viel zu verlieren und dass ein Auslandsaufenthalt sich gut im Lebenslauf macht, war mir da eigentlich klar. Aber als das Studium dann einmal abgeschlossen war und das Arbeitsleben angefangen hatte, schien es plötzlich nur noch einen Weg zu geben und zwar den nach oben.

Da jetzt auf einmal einen anderen Weg wählen? Den Job aufgeben und damit auch die Chancen auf eine mehr oder weniger steile Karriere? Etwas machen, was mit meinem Studium überhaupt nichts zu tun hat und wofür ich eigentlich überhaupt nicht qualifiziert bin? Mich selbstständig machen in einem Bereich, für den ich eigentlich total überqualifiziert bin und mir niemand mehr bezahlen wird, nur weil ich studiert habe? Das widerspricht irgendwie unserem Denken und allem, was unsere Gesellschaft ausmacht.

Aber jetzt lies dir diesen Satz noch einmal selbst laut vor: War dann nicht alles, was ich bisher gemacht habe, umsonst? Laut ausgesprochen klingt das doch schon, als wäre das totaler Blödsinn. Ich habe in meinem Studium und in meinem Arbeitsleben viele Sachen gelernt. Klar war da auch viel fachliches dabei. Aber ich habe auch gelernt, wie man mit unterschiedlichsten Menschen umgeht. Wie man in einem neuen Team seine Rolle findet. Wie man sich auch als zurückhaltender Mensch Gehör verschafft. Wann es besser ist zu reden und wann es besser ist die Klappe zu halten. Ich habe gelernt mit Stress umzugehen, mit Druck von oben, mit nervigen Kunden und mit kaputten Rechnern. Ich habe gelernt, meine Angst vor dem Telefon zu überwinden. Und nicht zuletzt habe ich gelernt, dass ich Prozesse im Großkonzern schwierig finde und dass ich nicht nur dafür arbeiten kann, reiche Menschen noch reicher zu machen.

Also nochmal: War dann nicht alles, was ich bisher gelernt habe, umsonst? Nein, ganz sicher nicht. Jeder einzelne meiner bisherigen Schritte war wichtig und wenn ich die nicht gegangen wäre, wäre ich jetzt nicht, wo ich bin. Aber wenn man erkannt hat, dass der Weg, auf dem man gerade ist, nicht zu dem Ziel führt, zu dem man gerne möchte, dann macht es keinen Sinn, weiterzulaufen, nur weil man schon so weit gekommen ist. Vielleicht fühlt es sich so an, als müsstest du bei null anfangen. Aber so ist das nicht. Du wirst deine bisherigen Erfahrungen und Kenntnisse einsetzen können und genau das wird es sein, was dich auf deinem neuen Weg so einzigartig macht.

Vier bunte Bänke am Ende einer Sackgasse vor dem Meer als Symbol dafür, dass unsere Angst uns am Weiterkommen hindert
Auch wenn der aktuelle Weg schön und leicht aussieht, kann er trotzdem eine Sackgasse sein

Also: Hinterfrage deine Ängste

Ich sage nicht, dass du keine Angst haben darfst. Ängste und Zweifel sind normal und gehören zum Losprobieren dazu. Aber sie sind auch die Hauptantriebskraft fürs Gedankenkarussell und das wollen wir ja stoppen. Bevor du dich also deiner Angst hingibst, fange an sie zu hinterfragen. Sprich mit vertrauten Menschen über deine Ideen und deine Zweifel. Und dann probier los.

Was sind deine größten Ängste, die dich vom Losprobieren abhalten? Wie gehst du damit um?

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